b_400_0_0_00_images_stories_2016_3-2016_zukunftspiloten.jpg

Interessante Veranstaltungen für seine Zukunftspiloten zu finden, ist für Siegfried Blauth vom Halleschen Bezirksverein des VDI eine Herzensaufgabe. Der in der Berufsausbildung tätige Chemiker weiß genau, dass man die Jugendlichen nur begeistern kann, wenn die Clubleiter interessante Themen aussuchen und die Jugendlichen aktiv eingebunden werden.

Für diese Veranstaltung hat er sich etwas ganz besonderes einfallen lassen, um den Zukunftspiloten chemische Zusammenhänge zu vermitteln. Nachdem in den vergangenen Treffen galvanische Spannungsreihen erklärt und durch das „Versilbern“ von kleinen Centmünzen verdeutlicht wurden, sollte nun eine Spannungsquelle kreiert werden.

Zur Vorbereitung wurden aus Kellerbeständen kleine Brettchen herausgesucht, an anderer Stelle fanden sich Metallplättchen aus unterschiedlichen Materialien, im Baumarkt wurden schmale Dachlatten gekauft und nicht zuletzt der persönliche Speiseplan auf den Verzehr von Hering in Aspik ausgerichtet, um aus den Verpackungen die kleinen Kunststoffschälchen gewinnen zu können, in der später die eigentliche Zelle aufgebaut werden soll.

Zum Treffen bekamen die Zukunftspiloten dann die Aufgabe, auf den Brettchen eine Halterung für die Kunststoffschälchen zu entwerfen und anzufertigen. Außerdem sollte eine Halterung für die Metallplättchen gestaltet werden. Intensiv wurde in den Gruppen diskutiert, gezeichnet, mit Leistenabschnitten und Brettchen hantiert, wieder verworfen, neu skizziert und schließlich jeweils eine Lösung gefunden.

Eine Gruppe wollte gleich zwei Kunststoffschälchen verwenden, um höhere Spannungen erzeugen zu können, die andere begnügte sich mit einer Zelle. Die einen klemmten die Metallblättchen in einem eingesäten Stück Plexiglas fest und ließen die Zelle nach oben offen, die anderen fixierten die galvanischen Plättchen an einer Leiste und verkapselten mit einem zusätzlichen Kunststoffschälchen die Zelle von oben.

Jede Gruppe verwirklichte ihre Idee an der Werkbank und sägte und schraubte mit hoher Konzentration. Verglichen mit einer Unterrichtsituation wirkt es fast schon gespenstig, dass der Betreuer kaum um Hilfestellung gebeten wurde und nur in Ausnahmefällen in den Anfertigungsprozess eingreifen musste.

Die Zukunftspiloten der ersten Stunden haben sich in den vergangenen Veranstaltungen bestens an die Arbeiten vertraut gemacht. Die ersten Treffen folgten dem Programm „Technik einfach begreifen“, das ab August auch als Buch erhältlich sein wird. Damit wurden die Jugendlichen an zunächst kleine, später immer anspruchsvoller werdende Projekte herangeführt und ihnen so die technischen Zusammenhänge erklärt und handwerkliche Fähigkeiten vermittelt.

Mit Freude sieht Siegfried Blauth, wie selbstverständlich in den Gruppen die „Alten“ ihre Erfahrungen an neu hinzugekommene Mitstreiter weitergeben. Möglich sind solche Veranstaltungen, weil das Projekt Zukunftspiloten von vielen Seiten Unterstützung erhält. Der VDI-Bezirksverband Halle hat eine Grundausstattung an Handwerkszeug übernommen und trägt die Kosten für das Verbrauchsmaterial, das Salinemuseum Halle stellt Räumlichkeiten zur Verfügung und alle Beteiligten finden aus Keller oder Garage nützliche Utensilien.

Mit einer solchen Unterstützung, vorhandenem Vorwissen und großer Begeisterung von der eigenen Idee ist die Umsetzung der Entwürfe für die Zellen fast schon ein Kinderspiel für die Dreizehn- bis Sechzehnjährigen gewesen. Nicht ohne Stolz präsentierten die einzelnen Gruppen ihre Arbeitsergebnisse, füllten die Zellen mit Wasser und lösten darin Salz auf. Das Multimeter bewies es: die galvanische Zelle liefert Spannung.

Eine Leuchtdiode konnte von einer der hergestellten Batterien allein aber nicht erhellt werden. Auch für dieses Problem fanden die Jugendlichen schnell eine Lösung: sie schalten ihre Elemente zusammen. Mit auf dieser Art vereinten Kräften gelang es, die Diode aufleuchten zu lassen.

So wurde bei dieser Veranstaltung unseren Zukunftspiloten ein weiteres Mal bewiesen, dass sie über ein sehr gutes individuelles Wissen und hinreichende Fertigkeiten verfügen, mit denen sie eine technische Aufgabenstellung voll und ganz erfüllen können. Sie lernten, dass uns die Technik nur dann einen echten praktischen Nutzen bringt, wenn einzelne Elemente miteinander verbunden und vernetzt werden können.

Alle Beteiligten empfanden die Veranstaltung als echt gelungen. Vor allem bei Siegfried Blauth wird beim Öffnen seines geliebten Herings in Aspik Freude aufkommen, wenn er an die Entwicklungsleistungen seiner Jungs bei der kreativen Gestaltung einer galvanischen Zelle denkt.