Die 55. Fachexkursion des VDI-AK Verfahrenstechnik Mitteldeutschland führte 30 interessierte Ingenieure und Chemiker zur Linde AG nach Leuna. Ziel war die Wasserstofferzeugungsanlage, die der Geschäftsbereich Linde-Gas-Deutschland dort betreibt.
Im Jahre 2003 nach konzerneigenem Know-How durch die Linde-Tochter Linde-Engineering errichtet und in Betrieb genommen, beliefert die Anlage inzwischen Kunden in mehr als 100 Ländern mit hochreinem Wasserstoff (H2) in einer Qualität, die für den Einsatz als CO2-freier Kraftstoff in alternativen Fahrzeugantrieben wie Brennstoffzelle oder als Treibstoff im Verbrennungsmotor geeignet ist.

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Während einer sachkundigen Führung durch die Anlage mit dem Anlagenleiter, Herrn Dipl.-Ing. Müller, wurde die H2-Gewinnung aus Erdgas über einen Steam-Reforming-Prozess erläutert und besichtigt. Dabei werden Erdgas und Wasserdampf über einen Katalysator bei einer Temperatur von ca. 800°C zu H2 und CO2 umgesetzt. Die für den vorgesehenen Einsatz des erzeugten H2 – insbesondere in Brennstoffzellen - erforderliche hohe Endqualität(Reinheit) wird in einer nachgeschalteten Adsorptionsstufe erreicht.

Das Zwangsanfallprodukt CO2 wird – ebenfalls hochrein – sowohl an Kunden in der Lebensmittel-/Getränkeindustrie, als auch der Pharmazeutischen-/Kosmetikindustrie gasförmig, verflüssigt oder als Trockeneis abgegeben.

In weiteren technisch/technologisch sehr anspruchsvollen Prozessstufen wird der erzeugte Wasserstoff komprimiert, verflüssigt, gelagert und für den Versand bereitgestellt. Dazu dienen vor allem Spezialfahrzeuge wie Gas-Trailer und Flüssiggas-Container, aber Lieferungen in kleineren Abfüllungen wie Gasflaschen u.ä. sind durchaus üblich.

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Die in der Region rund um Leuna vorhandenen Verbraucherstandorte, die im Norden bis Dessau, im Süden bis Zeitz reichen, werden über ein im Wesentlichen noch vorhandenes, aber aufwändig ertüchtigtes Rohrleitungsnetz - mit ca. 80 Km Länge das modernste H2-Rohrleitungsnetz Europas - direkt mit H2 versorgt.

Beeindruckend für wohl alle Teilnehmer war der in allen Prozessstufen vorhandene hohe Sicherheitsstandard, dem eine umfangreiche, moderne Überwachungstechnik zugrunde liegt.

In einem abschließenden, sehr informativen Vortrag gab Herr Dipl.-Ing. Heisterkamp einen kleinen Einblick in die gemeinsam mit der Autoindustrie laufenden Entwicklungen auf dem Gebiet der alternativen Fahrzeugantriebe.

Die Teilnehmer der Exkursion lernten eine moderne, in Europa auf ihrem Gebiet führende Chemieanlage kennen, die nicht nur durch ihre Technologie, sondern auch durch ihre zukunftsorientierte Produktion und Forschung einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Fahrzeugantriebe leistet.

Die Exkursionsteilnehmer bedanken sich bei dem Organisator und den Akteuren für die gelungene Veranstaltung.


Dr.-Ing H.-D.Voigt
VDI Arbeitskreis Verfahrenstechnik Mitteldeutschland


IngPost - Ausgabe 2/2012, Mai 2012