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Laudatio zur Verleihung der Beuth-Denkmünze an Herrn Heinrich Oehlmann am 5. Juli 2018 anlässlich KITS-Konferenz in Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist für mich eine besondere Freude, heute im Rahmen der KITS-Konferenz in Berlin eine Persönlichkeit auszuzeichnen, die sich über viele Jahre in ganz besonderem Maß für die Normung im Bereich der Automatischen Identifikation und Datenerfassungsverfahren engagiert und maßgeblich zu deren Erfolg auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene beigetragen hat: Herrn Heinrich Oehlmann


Lieber Herr Oehlmann,

Sie haben seit Mitte der 80er Jahre in der Normung mitgearbeitet und waren zunächst als Experte im NDWK, dem ehemaligen DIN-Normenausschuss Daten- und Warenverkehr in der Konsumgüterwirtschaft tätig. Im Bereich Datenverkehr wurden dort alle Normungsvorhaben bearbeitet, die einen reibungslosen Informationsaustausch sowohl in der administrativen als auch in der logistischen Kette ermöglichten.

Während die Kreise des NDWK ausschließlich national tätig waren, haben Sie sich schon bald nach Ihrem Normungseinstieg auch auf europäischer Ebene beteiligt und die Federführung mehrerer wichtiger Gremien übernommen.

Sie waren 1992 Gründungsmitglied des CEN/TC 225 „AIDC technologies“ und Convenor der WG 1 „Optical Readable Media“. Sie waren über 21 Jahre Obmann des Arbeitsausschusses NA 043-01-31 AA „Automatische Identifikation und Datenerfassungsverfahren“ im DIN-Normenausschuss Informationstechnik und Anwendungen und Arbeitskreisleiter des NIA-AK „AutoID und Rückverfolgbarkeit“. Weiterhin arbeiteten Sie im NIA-Beirat und dem NIAGemeinschaftslenkungsausschuss als Obleutevertreter mit.

Auch in der internationalen Normung haben Sie stets eine wichtige Rolle gespielt. So waren Sie seit 1996 Leiter der deutschen Delegation in ISO/IEC JTC 1/SC 31 „AIDC“, langjähriger Experte in SC 31/WG 2 “Data and structure”, WG 4 “Radio communications“ 2 und im ISO/TC 122 „Packaging“ in WG 12, die sich mit Anwendungen in der Logistikkette beschäftigt.

Herr Oehlmann, Sie machten 1960 eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker, arbeiteten dann unter anderem bei Siemens, Ericsson und Philips. Ende der 70er Jahre gründeten Sie mit dem Fokus auf AIDC Ihre eigene Firma „Elmicron“, die mittlerweile ein etablierter Spezialist für Kennzeichnungs- und Datenerfassungslösungen mit Barcode, Data Matrix-Code und RFID-Technologie ist und branchenübergreifend Lösungen realisiert.

Sie sind Vorsitzender der Eurodata Council, der Stiftung und Gesellschaft für angewandte Informationstechnologien und Datenlogistik und Vorstandsmitglied der Health Industry Business Communication Council (EHIBCC), dem weltweit agierenden Mitgliederverband und verantwortlichen Vergabestelle für unverwechselbare Firmencodes nach ISO/IEC 1549 in Brüssel.

Sie werden für Ihre besondere Kompetenz in der Erstellung individueller Systemlösungen in Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Automobilsektor, den Bereichen Konsum und Dienstleistung sowie Ihre langjährige Erfahrung und Ihr sehr umfangreiches AutoIDWissen geschätzt. Im damaligen DIN-Normenausschuss Informationstechnik begleiteten Sie seinerzeit die Anfänge der europäischen Normung im Bereich der AutoID. Darüber hinaus brachten Sie Ihre ausgewiesene Expertise u. a. in die Bearbeitung wichtiger nationaler Normen wie der „rechteckigen Erweiterung des Data Matrix Codes“ (DIN 16587), der „Anwendernorm für kleinste Produktmarkierungen mit Hilfe von Matrix-Symbologien“ (DIN 66401), dem „elektronischen Typenschild“ (DIN 66277) und der „Systemidentifikatoren“ (DIN 66403), die mittlerweile alle Eingang in die europäische oder internationale Normung fanden bzw. finden, ein.

Der NIA-Arbeitskreis „AutoID und Rückverfolgbarkeit“ entwickelte unter Ihrer Leitung in der DIN SPEC 16599 Empfehlungen für die Realisierung von Rückverfolgungssystemen. Die Entwicklung zahlreicher europäischer und internationaler Projekte gestalteten Sie entscheidend mit.

Man wird Ihnen jedoch nicht gerecht, indem man lediglich einzelne Projekte nennt, da Sie immer das gesamte Feld der Automatischen Identifikation im Blick haben. Durch Ihre Übersetzungsprüfungen vieler Europäischer Normen ins Deutsche und Ihre gründliche und genaue Kommentierung europäischer und internationaler Projekte stellten Sie die Qualität der deutschen Normenfassungen sicher.

Sie waren über 30 Jahren Mitarbeiter verschiedener Normen- bzw. Arbeitsausschüsse. Sie informieren in Fachkreisen regelmäßig über das aktuelle Geschehen in der Normung und zeigen Möglichkeiten zur Mitarbeit auf, Sie geben Ihr Wissen in Seminaren weiter, halten Vorträge zu Themen wie der UDI-Kennzeichnungspflicht für Medizinprodukte und sind Autor im Beuth Verlag.

Ihre Fachkollegen arbeiten gerne mit Ihnen zusammen, da Sie der verlässliche und sympathische Fachmann sind, sehr engagiert, überzeugend, sich dabei aber stets äußerst kooperativ verhalten, man mit Ihnen immer sehr offen und konstruktiv diskutieren kann und Sie es verstehen, selbst bei schwierigen Diskussionen einen Konsens zu finden. In dem weiten Feld der "Automatic Identification and Data Capture" haben Sie Maßstäbe gesetzt und die Fachwelt, sowohl national als auch international in ihrer engagierten Weise begeistert und angetrieben.

Aus all diesen Gründen, lieber Herr Oehlmann, ist es mir heute eine besondere Freude, Sie zu ehren.

Anlässlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages von Christian Peter Wilhelm Beuth hat DIN 1981 die aus dem Jahre 1846 stammende "Denkmünze des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen", dessen Gründer und Vorsitzender Beuth gewesen ist, neu prägen lassen. Die Denkmünze zeigt auf der Vorderseite Beuths Porträt und auf der Rückseite eine Allegorie des technischen Erfindungsgeistes des Ingenieurwesens. Im Hintergrund erkennt man einen Webstuhl, ein Zahnrad und eine Dampfmaschine. Die Würfel, die die Engelsgestalt über die Erde streut, versinnbildlichen das Prinzip der Ordnung, mit dem der Mensch sich die zunächst rohen Kräfte der Natur dienstbar macht. Diesem Gedanken entspricht auch die Umschrift „Wer geistreich denkt und eifrig schafft, dem dient Natur mit ihrer Kraft“.

Die Beuth-Denkmünze wird von DIN an Persönlichkeiten verliehen, die sich in herausragender Weise für die Normung engagiert und besondere Dienste um die Normung erworben haben.
Ich freue mich deshalb, Ihnen, lieber Herr Oehlmann als Zeichen des Dankes und der Anerkennung heute die Beuth-Denkmünze zu verleihen.