Im Haus Sonneck

Dieser Bericht ist Teil 2 im 30. Partnerschaftsjahr der Städte Aachen - Naumburg und zugleich des 10. Jahres der Freundschaft zwischen dem Aachener Bezirksverein des VDI und der kleinen Bezirksgruppe Burgenlandkreis im Halleschen Bezirksverein des VDI. Im Rahmen des Naumburger Weinfestes und Töpfermarktes, am letzten Augustwochenende, fanden die Feierlichkeiten zu „30 Jahre Städtepartnerschaft Aachen – Naumburg“ und damit der Gegenbesuch unserer Aachener Freunde statt.


Schon lange stand als erster Treff am Donnerstag der Kyffhäuser, mit seinen renovierten, historischen Anlagen und dem weltweit tiefsten Brunnen mit 176 m auf dem Besuchsprogramm. Das Kyffhäuser-Denkmal ist als Wegmarke deutscher Geschichte Teil der “Straße der Monumente”, zu der seit April 2008 auch das Völkerschlachtdenkmal (Leipzig), die Siegessäule (Berlin), das Hermanns Denkmal (Detmold), das Kaiser-Wilhelm-Denkmal (Porta Westfalica) und das Marine-Ehrenmal Laboe (bei Kiel) gehören.

Am Abend gab es einen Treff mit Mitgliedern und Gästen unserer Bezirksgruppe im Hof der Gaststätte Alt-Naumburg. Vom Vorstand des Halleschen Bezirksverein begrüßten wir Herrn Prof. Thomas Hahn, der uns schon oft nach Aachen begleitet hat. In gemütlicher Runde wurden Erfahrungen ausgetauscht und neue Pläne geschmiedet. Zu später Stunde traf Herr Thomas Thiele vom Vorstand des Aachener Bezirksvereins ein. Er ist inzwischen seiner Chefin, Frau Prof. Jeschke, nach Berlin gefolgt und kümmert sich „rund um die Uhr“ um die Digitalisierung der Deutschen Bahn. „Nebenbei“ wird er im Herbst seine Dissertation verteidigen. Alle guten Wünsche der Naumburger begleiten Dich lieber Tom.

Der Freitag begann mit einem Besuch in der Landesschule Pforta. Dort begrüßten der Rektor Herr Schödel und die Koordinatorin des Tages der Technik in der Landesschule Frau Härtling die Gäste. Herr Prof. Corves berichtete über sein Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik an der RWTH Aachen. Er lud Schüler der Landesschule ganz im Sinne unseres Leitbildes, nach Aachen ein, um sich mit den dortigen technischen Studienmöglichkeiten vertraut zu machen.

Anschließend ging es zum Fundort der „Himmelsscheibe von Nebra“, einer kreisförmigen Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold, die astronomische Phänomene und religiöse Symbole darstellen soll. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. In der „Arche Nebra“ wurden sehr interessiert die geschichtlichen Hintergründe der Scheibe und des Fundes studiert. Dem schloss sich kurz vor der Abreise am Sonntagnachmittag dann ganz folgerichtig der Besuch auf Schloss Goseck und dem Sonnenobservatorium an. Das wohl 7.000 Jahre alte Sonnenobservatorium von Goseck wurde originalgetreu rekonstruiert. Es ist das älteste Observatorium Europas.

Jürgen Tänzer im DomAls Höhepunkt der Stadt Naumburg zu Ehren der Aachener Gäste fand am Freitagabend eine Feierstunde im Naumburger Dom mit anschließendem Erfahrungsaustausch und Gesprächen im Kreuzgang des Domes statt. Viele Naumburger waren der Einladung gefolgt. Vom Vorstand des Halleschen Bezirksverein konnten wir Herrn Dr. Oertel begrüßen.

Neben den Oberbürgermeistern beider Städte und den Sprechern der Städtepartnerschaftsvereine kamen auch Prof. Corves vom Aachener VDI und Jürgen Tänzer (alias Emil Kraatz, Oberbürgermeister Naumburgs von 1889 bis 1913) von Naumburger Seite zu Wort, um die engen fachlichen und freundschaftlichen Verbindungen zu würdigen.

Aus der Rede von „Emil Kraatz“ im Dom möchte ich hier zitieren:
„Technisch habe ich mit der Durchsetzung der Elektrifizierung von Beleuchtung und Straßenbahn anerkennenswerte Arbeit geleistet. Sie erinnern sich an meine Rede im Turbinenhaus. Heute macht das die werte Gesellschaft wohl noch besser. Ich lese vor: „Die Industrie der Metallverarbeitung kann in Naumburg mit modernen Betrieben, die auf dem Weg der Digitalisierung sind, glänzen und leistet einen wichtigen Beitrag im Netzwerk der Branche.“ Was ist das für ein, für mich undurchdringlicher Wortlaut, das nennt sich wohl auch noch Industrie 4.0?

Prof. Corves im DomDer Verein Deutscher Ingenieure ist in Naumburg mit seiner Bezirksgruppe aktiv. Sie nutzt seit über 10 Jahren intensiv die partnerschaftlichen Beziehungen nach Aachen zum dortigen Bezirksverein und der RWTH. Es bestehen Beziehungen wohl bis zur NASA.

Ich verehrte die Architekten, Baumeister und Ingenieure meiner Zeit und vor meiner Zeit. Weltbekannt der Naumburger Meister und natürlich der Schriftsteller Jules Verne, dessen Romane zu meiner Zeit geschrieben und heute wie ich sehe Wirklichkeit sind.

Als Alt-Oberbürgermeister soll ich stellvertretend für die vielen Freunde aus Aachen, den Professoren Hallmann und Corves meine Hochachtung aussprechen. Hier scheint mir der David vom Goliath zu profitieren, aber bekanntlich hatten ja Beide ihre Stärken. Mir wurde zugetragen, dass sich eine sehr lebendige und für Naumburg vorteilhafte Beziehung zu den Fachleuten der RWTH Aachen entwickelt hat. Übrigens eine geordnete Schulerziehung war für mich immer eine wichtige Grundlage für die Gesellschaft. Das Luisen- Oberlyceum, am damaligen Kaiser-Friedrich- und heutigen Stephanplatz, das vor allem die Richter der Stadt zur Beschulung ihrer Töchter forderten, habe ich vor 100 Jahren eröffnet.
Auch von mir ein großes Dankeschön an die Aktiven der Städtepartnerschaft.

Meine Bitte, machen Sie weiter so, nutzen Sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse für diese schöne Stadt. Ich weiß das aus meinen Erfahrungen mit der Elektrifizierung. Bei der Planung moderner Infrastrukturen und bei der Umsetzung von Energiekonzepten helfen die Ingenieure gerne und dienen der Stadt Naumburg und dem Mitteldeutschen Raum. Man muss nicht alles selbst verstehen. Wozu hat man befreundete und im Territorium verwurzelte Fachleute?“ Soweit der OB a.D.

Am Samstagabend gab es einen Empfang für die Aachener Gäste im Haus Akademie-Sonneck mit einem weiteren intensiven Erfahrungsaustausch. Die HVHS Akademie Haus Sonneck gGmbH ist eine als Heimvolkshochschule staatlich anerkannte, öffentlich geförderte und landesweit tätige Einrichtung der Erwachsenenbildung in Sachsen-Anhalt. Sie hat den Auftrag, eine kulturhistorisch geprägte Bildungs- und Begegnungsstätte für die Zwecke der Jugend- und Erwachsenenbildung langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln. Geschichtliches zu diesem interessanten Haus mit Weinberg.

Ich denke, dass dieses gelungene Wochenende in guter Erinnerung bleiben wird. Der Dank geht von unserer Seite an Frau Heilig, Sprecherin der der AG Städtepartnerschaft im Naumburger Bürgerverein e.V. und Frau Rouette-Lauer, Pressesprecherin der Stadt Naumburg, für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, sowie an alle fleißigen Helfer.


Zur Erinnerung lesen Sie hier bitte gern auch noch einmal Teil 1.

Dieter Gödicke
Hallescher BV des VDI Bezirksgruppe Burgenlandkreis