BENAS-Anlage, Luftbild 2/2019

Der Einsatz von Technologien zur Rückgewinnung von Nährstoffen wie N, P und K aus biogenen Abfällen und Gärrückständen ist auf dem Vormarsch. Für ihre breite Anwendung bestehen jedoch noch komplexe technische, wirtschaftliche und rechtliche Hemmnisse. In dem EU-Projekt SYSTEMIC wurden die vielversprechendsten Technologien zur Nährstoffrückgewinnung und -wiederverwendung (nutrient recovery and reuse - NRR) aus Gülle, Festmist, Klärschlamm und Bioabfall ausgewählt, die jetzt an fünf hochmodernen Vergärungsanlagen in verschiedenen Ländern Europas mit ganz unterschiedlichen Businesskonzepten demonstriert und bewertet werden.


Demonstrationsanlagen im EU-Projekt SYSTEMIC

Es handelt sich dabei um verschiedene Technologien zur Ammoniakstrippung, Umkehrosmose und Phosphorrückgewinnung. Einige dieser Technologien sind bereits voll realisiert, wie die BENAS-Anlage in Deutschland. Andere befinden sich noch in der Bauphase oder der Planung. Wissenschaftler von den Universitäten Wageningen, Gent, Mailand und Dublin sind an der Bewertung der Technologien über einen Zeitraum von 4 Jahren beteiligt. Auch der Europäische Biogasfachverband EBA ist im Konsortium.
 

Die fünf Demonstrationsanlagen spielen eine entscheidende Rolle bei der ökologischen und wirtschaftlichen Bewertung der neuen Technologien zur Schließung von Kreisläufen mit geeigneten Businessmodellen. Hierbei wird auch die Qualität der erzeugten mineralischen und mineralisch-organischen Düngeprodukte in Bezug auf die Anforderungen der regionalen Märkte bewertet. Dieser marktorientierte Ansatz ist erforderlich, um die Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit der Systemlösung für Europa zu gewährleisten.
 

SYSTEMIC-Meeting in HalleDas Konsortium aus 15 Partnern und 7 EU-Ländern unter der Koordination und Leitung der Universität Wageningen (NL) führt die jährlichen Treffen im Land einer der fünf Demonstrationsanlagen durch. Nach den Meetings jeweils im Juni 2017 in Wageningen und 2018 Mailand fand das hochrangige Symposium in diesem Jahr in Halle (Saale) in Deutschland statt, unterstützt von der EU und der Stadt Halle. Organisiert wurde das Meeting von der Firma GNS mbH aus Halle, welche mit der BENAS Biogasanlage in Ottersberg einen der 5 ausgewählten Demonstrationsstandorte und somit Deutschland vertritt.


Das Besondere an dem Demonstrationsstandort Ottersberg ist die praxiserprobte GNS-Technologie zur modifizierten Ammoniakstrippung, bei der ohne vorherige Separation der faserhaltige Gärrückstand in der FaserPlus-Anlage vom Ammoniak weitgehend befreit wird. Damit kann der Gärrückstand vollständig in den Fermenter zurückgegeben werden, wodurch die Konzentration an Ammonium-Stickstoff sinkt, Gärhemmungen vermeiden werden und der Biogasertrag sogar steigt. Jährlich werden so bis zu 200 t Stickstoff entfernt und in konzentrierte mineralische Düngemittel verwandelt. Alternativ können die Fasern nach der FaserPlus-Anlage separiert, ggf. getrocknet und für hochwertige werkstoffliche Anwendungen eingesetzt werden.
 

Damit kann der Anlagenbetreiber einen zusätzlichen Wert schaffen und Einnahmen erzielen. Eine andere Besonderheit ist die Verwendung von REA-Gips anstelle der üblichen Schwefelsäure in Strippanlagen, um den Ammoniak zu Ammoniumsulfat zu binden. Das führt zu sehr geringen Betriebskosten, was sich vor allem bei größeren Anlagen sehr schnell bezahlt macht. Außerdem entsteht zusätzlich Kalziumkarbonat, welches ein hervorragend geeignetes Düngemittel bei gleichzeitiger Anhebung des pH-Wertes im Boden ist.


Schema der NRR-Technologie an der Demonstrationsanlage BENAS


Auf dem Symposium am 4. und 5. Juni 2019 in Halle wurden von Firmenvertretern der Demonstrationsanlagen und Wissenschaftlern die neuesten Ergebnisse der inzwischen zweijährigen Arbeit des Konsortiums vorgestellt. Nach intensiver fachlicher Diskussion werden die Resultate nun durch den wissenschaftlichen Beirat bewertet. Anschließend werden sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dienen nicht zuletzt auch der Politikberatung in Brüssel.
 

Partner im KonsortiumEines der Ziele des SYSTEMIC-Projektes ist es, Partnerschaften, Zusammenarbeit, gute Beratung und Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern, Unternehmen und Wissenschaftlern zu initiieren und zu fördern. Neben der Bewertung der fünf Demonstrationsstandorte wurden inzwischen aus einer größeren Anzahl von Bewerbern elf weitere große Biogasanlagen in ganz Europa als externe Standor-te (Outreach-Standorte) ausgewählt. Für diese wird nun eine Beratung und Prüfung geeigneter Businessmodelle mit Nährstoffrückgewinnungstechnologien durchgeführt.


Über die Plattform www.systemicproject.de sind Interessenten vom Anlagenbetreiber bis zur Wissenschaft und Politik eingeladen, diese Ergebnisse und Angebote zu nutzen.


Ansprechpartner des SYSTEMIC-Konsortiums für Deutschland:

www.GNS-Halle.deGNS – Gesellschaft für Nachhaltige Stoffnutzung mbH
Weinbergweg 23
06120 Halle
Tel./Fax: +49 345 5583-754/-706
E-Mail: info@gns-halle.de